Am 17. und 18. März 2026 war das Langenbeck-Virchow-Haus nahe der Berliner Charité erneut Schauplatz eines der bedeutendsten gesundheitspolitischen Austauschformate Deutschlands: Der Kongress für Gesundheitsnetzwerker (#GNK26) brachte rund 400 Entscheiderinnen und Entscheider aus Medizin, Politik, Krankenkassen und Gesundheitswirtschaft zusammen. Berlin-Chemie richtete den Kongress zum 19. Mal aus und war zugleich Gastgeber, Impulsgeber und aktiver Teil der Debatte.
Christiane von der Eltz, Vorstandsmitglied von Berlin-Chemie, eröffnete den Kongress mit einer Einordnung der aktuellen Lage: Die Erfahrungen der Pandemiejahre und die sich stetig verändernde geopolitische Lage stellten das Gesundheitswesen vor neue, komplexe Herausforderungen. Im Balanceakt zwischen Preis- und Kostendruck zeige sich, wie wichtig ein stabiles und innovationsfreundliches Umfeld für alle Akteure der Branche sei. Hersteller wie Berlin-Chemie engagierten sich in einem Markt, der Verlässlichkeit und Gestaltungsspielraum gleichermaßen brauche, um medizinischen Fortschritt dauerhaft in die Versorgung zu bringen. Wie diese Rahmenbedingungen gemeinsam weiterentwickelt werden können, war die Leitfrage, die den gesamten Kongress prägte.
Einen eindrücklichen Impuls dazu setzte Prof. Andreas Zaby, Innovationsmanager der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND), in seiner Keynote: Während Förderverfahren in Deutschland häufig Jahre in Anspruch nehmen, stellt SPRIND Mittel nach erfolgreicher Antragstellung innerhalb von zwei Wochen bereit. Die Reaktion des Saals – Raunen, gefolgt von Applaus – verdeutlichte, wie groß der Handlungsbedarf wahrgenommen wird.
Unter dem Motto „Kurs 2030: #vernetzt #gesteuert #resilient“ zeigte das zweitägige Programm, wie zentrale Fragen im Gesundheitssystem mit konkreten Lösungen aus der Praxis zusammengebracht werden können.
#vernetzt – Neue Versorgungsmodelle auf dem Prüfstand
Vernetzung war der inhaltliche Kern des Kongresses. Neue Versorgungsmodelle wie Regionale Gesundheitszentren und HÄPPI-Praxen wurden systematisch auf Patientennutzen, Wirtschaftlichkeit und Skalierbarkeit bewertet. Telemonitoring, Telemedizin und KI-gestützte Anwendungen wurden als konkrete Werkzeuge für eine sektorübergreifende Versorgung diskutiert. Sie gelten nicht als Zukunftsvision, sondern als heute verfügbare Realität. Besondere Aufmerksamkeit erhielt der Programmpunkt zur kardiometabolischen Versorgung entlang der Patientenreise: Sie zeigte exemplarisch, wie aus fragmentierten Strukturen tragfähige, integrierte Versorgungsmodelle entstehen können, wenn die richtigen Akteure miteinander ins Gespräch kommen.
#gesteuert – Koordination als Schlüssel zur Systemstabilität
Deutschland verfügt im europäischen Vergleich über eine hohe Dichte an Arzt-Patienten-Kontakten und dennoch mangelt es an systematischer Koordination. Dieser Widerspruch war Ausgangspunkt zahlreicher Diskussionen: zur Weiterentwicklung der Primärversorgung, zu tariflichen Steuerungsmodellen in der GKV und zur Rolle regionaler Akteure bei der Koordination der Patientenversorgung vor Ort. Der Kongress machte deutlich, dass eine wirksame Steuerung eine gemeinsame Aufgabe aller Gesundheitsberufe ist und dass sie strukturelle Anreize braucht, die Zusammenarbeit fördern statt erschweren.
#resilient – Versorgungssicherheit in einer veränderten Welt
Resilienz war auf dem #GNK26 kein abstraktes Konzept, sondern eine dringende Gestaltungsaufgabe. Die Abhängigkeit Europas von globalen Lieferketten bei Arzneimitteln, die Verwundbarkeit kritischer Infrastrukturen und die Vorbereitung des ambulanten Sektors auf Krisen- und Verteidigungsszenarien wurden offen und lösungsorientiert diskutiert. Eine eigene Session zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz erweiterte den Blick: Langfristige Resilienz schließt auch die ökologische Zukunftsfähigkeit des Gesundheitssystems ein.
Dr. Jan Patrick Hensel, Leiter des Gesundheitsmanagements bei Berlin-Chemie, bringt es auf den Punkt: „Unter dem Motto Kurs 2030 hat der #GNK26 konkrete Wege für die Versorgung der Zukunft skizziert. Mein zentrales Fazit: Die großen Herausforderungen im Gesundheitswesen sind nur gemeinsam lösbar – im Dialog, in starken Netzwerken und mit dem Mut zu echten Veränderungen. Genau das macht diesen Kongress für Berlin-Chemie jedes Jahr unverzichtbar und zeigt, wie wichtig er für ein zukunftssicheres Gesundheitssystem ist.”